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Pilot-Projekt in Tirol: Heizung und Warmwasser aus Pferdemist

(19.09.2019) Der Pferdehof und Pensionsbetrieb Weberhof in Tirol deckt seine Warmwasser- und Grundwärmeversorgung mit Hilfe einer umweltfreundlichen flammenlosen Pferdemist-Kompost-Heizung.

Ob man es glaubt oder nicht: Im Pferdemist schlummert eine Menge Energie, die sich mit schlauer Technik nutzen lässt...

Der Weberhof im schönen Brixental in Tirol (www.weberhof-brixental.at) ist ein Reitbetrieb wie aus dem Bilderbuch – mit schicken Haflinger- und Warmblutpferden, kleiner Reithalle und Springparcours und einigen Ferienwohnungen für den perfekten Reiturlaub, dies alles bestens gepflegt und tiptop in Schuss.

Eines aber trieb Besitzer Johann Stöckl dennoch seit Jahren um: nämlich die Frage, wie er die beträchtliche Menge Pferdemist, die täglich von seinen acht Pferden anfällt, besser und effizienter für seinen Betrieb nutzen könnte. Vor allem die bei der Verrottung entstehende Wärme – an die im Winter der stetig aufsteigende Dampf des Misthaufens erinnerte – sollte sich doch irgendwie verwerten lassen, so Stöckl. Doch es dauerte Jahre, bis er endlich den richtigen Partner für die Realisierung seiner ,Pferdemist-Heizung' gefunden hatte, nämlich den Verein Native Power mit Sitz in Hannover. Dort fand er nicht nur gleichgesinnte Tüftler mit entsprechendem Know-how, sondern auch zertifizierte Partnerbetriebe für die technische Umsetzung seines ,Biomeilers'.

Das Grundprinzip ist dabei denkbar einfach: Biomeiler sind speziell aufgebaute Komposthaufen, die dem organischen Material Wärme entziehen und dabei auch noch hochwertigen Humus generieren, weshalb der Biomeiler vielfach auch als „Kompost-Heizung" bezeichnet wird.

Sie funktionieren nach dem Prinzip der Kompostierung, bei dem aerobische Bakterien organisches Material in Wärme, Kohlendioxid (CO2) und Ammonium umwandeln. Dies ist ein natürlicher Prozess, wie er in der Natur täglich millionenfach abläuft, wobei die entstehende Prozess-Wärme in der Regel ungenutzt bleibt und verlorengeht. Genau hier setzt der Biomeiler an – und sorgt für eine gezielte Nutzung dieser biologisch entstehenden Wärme.

Das Kohlendioxid (CO2) ist dabei das am wenigsten gewünschte Produkt. Da es sich aber ohnehin im Kompostierungsprozess bildet, generiert der Biomeiler kein zusätzliches Kohlendioxid (CO2). Man kann sogar Kohlendioxid (CO2) einsparen, wenn der Biomeiler Gas und Öl als Brennstoff ersetzt – was es am Betrieb von Johann Stöckl tut. Und es entsteht dabei auch noch wertvoller Dünger: Das Ammonium wird durch die Bakterien in Nitrate und Nitrite umgewandelt, die als wertvolle Düngemittel auf die eigenen Weiden ausgebracht werden.

Johann Stöckls Anlage – die seit rund einem Jahr klaglos funktioniert – basiert auf genau diesem Prinzip. Die täglich anfallende Mistmenge seiner acht Pferde wird gehäckselt – was das Volumen verkleinert und auch die Verrottung begünstigt – und auf eine ca. 6 x 6 m große Mistplatte aufgebracht. Der hierfür notwendig zeitliche bzw. personelle Mehraufwand beträgt ca. 15 min. Der Stromverbrauch für die Homogenisierung des Pferdemistes beläuft sich auf ca. 0,40 € Cent/Tag.

Die eigentliche Arbeit erledigen Abermillionen von Bakterien und Mikroorganismen: Die machen sich über das Stroh- und Pferdeäpfel-Gemisch her und erzeugen im Zuge der Kompostierung – die absolut natürlich, umweltfreundlich und ohne jegliche chemische oder sonstige Beifügungen abläuft – Temperaturen bis zu 70 Grad im Mist. Über Wärmetauscher, die beliebig oft verwendet werden können, wird warmes Wasser von 60 Grad dem 1.000 Liter fassenden Brauchwasserspeicher zugeführt. Auf diese Weise können an einem Tag ca. 120 kWh Wärme erzeugt werden. Monatlich können somit Wärmekosten in Höhe von rund 250 € eingespart werden! Die Anlage funktioniert darüberhinaus nahezu wartungsfrei und ganzjährig – nur bei extremen Witterungsbedingungen wird die bestehende Heizung zusätzlich genutzt. Auch die Amortisationszeit der Anlage ist mit ca. 2,6 Jahren nahezu unschlagbar.

Früher heizte Johann Stöckl – wie er gegenüber dem ORF bestätigte – das gesamte Gebäude mit Holz und musste erhebliche Zeit für die Holzarbeit aufwenden. Das gehört nun der Vergangenheit an – sein Holzverbrauch hat sich seit Installierung der Anlage um 90 % verringert, und er spart auch rund 2.000,– Euro an Gaskosten pro Jahr. Er kann mittlerweile die gesamte Warmwasser-Aufbereitung seines Reitbetriebes, des Bauernhauses und der Ferienwohnungen mit der Wärme des Biomeilers bestreiten.

Doch Johann Stöckl hat von seinem Biomeiler nicht nur die Wärme, sondern auch noch wertvollen Dünger: Der erzeugte Kompost ist sofort bodenverfügbar (wobei eine Nachrotte von 1-2 Monaten das bereits gute Ergebnis noch einmal wesentlich steigert, so die Experten von Native Power). Die Ausbringung auf die Weiden oder Felder erfolgt wie gewohnt per Miststreuer. Der hochwertige Kompost ist komplett frei von alten Pferdeäpfeln und muss in der Regel nicht mehr über nachgelagerte Bodenbearbeitung von Scheibe oder Egge behandelt werden. (Die gesamte Methode kann übrigens auch ohne Heizzwecke zur Kompostgewinnung und Veredelung sowie Mengenreduzierung angewendet werden.) Insgesamt ein tolles Konzept – und sehr zur Nachahmung empfohlen.

Aus: ProPferd, 17.09.2019, https://www.propferd.at/